Der Makel der Korruption – Teil 1

Die Gefahr, von der Korruption befleckt zu werden, ist ständige Realität für jeden, der mystische Kräfte einsetzt oder für diejenigen, die sich tapfer Artefakten oder Orten aussetzen, an denen Magie den Makel der Korruption geradezu einlädt. Alle betroffenen Individuen erleben sehr bewusst, wie die abscheulichen, aggressiven Energien sie beeinflussen. Aber sie gehen mit dem Makel der Korruption sehr unterschiedlich um – abhängig von ihren Glaubensgrundsätzen, ihrer Ausbildung oder ihrem Studienhintergrund. In jedem Fall aber haben die Betroffenen ein Gefühl dafür, wenn die Befleckung ihrer Seele einen kritischen Punkt erreicht und sie eine übernatürliche Gegenreaktion riskieren.

Die Theurgie des Prios

Für Angehörige der Kirche und andere gläubige Anhänger des Prios ist Korruption die Antithese zu ihrem Glauben und ihrer Beziehung zu ihrem Gott. Für sie ist – vereinfacht gesprochen – Korruption die Abwesenheit von Licht und damit der Feind allen Lebens und all dessen, woran sie glauben. Sie sehen die Korruption als einen wachsenden Schatten, der die Gläubigen vom Glanze Prios‘ trennt. Korruption ist für sie eine widerliche, fast klebrige Dunkelheit, die sich immer weiter verstärkt, wenn man sich ihr aussetzt. Sie lässt das Blut in den Adern gefrieren und besudelt den Geist. Ein verführerisches Flüstern dunkler Versprechungen und verbotene Verlockungen vernebeln das Denken und führen die Seele in Versuchung, immer auf der Suche nach einer Schwachstelle.

Theurgen wehren diese dunkle Befleckung durch ihr Vertrauen in ihre innere Flamme ab. Sie fokussieren sich auf ihr inneres Licht und wehren so den herankriechenden Schatten ab. Wenn sie in ihrer Entschlossenheit wanken und sich ihr inneres Licht verdunkelt, dann manifestieren sich verdorbene Kräfte, die die Seele mit einem klebrigen Mantel aus Dunkelheit umgeben und foltern.

Stigmata manifestieren sich bei Theurgen häufig als unangenehmer Körpergeruch, schuppige Haut und ähnliche Symptome von Krankheit und körperlichem Verfall. Bemerkenswerter  aber sind sadistische Verlangen und unkontrollierbare, verderbte Angewohnheiten, die diese widerwärtigen, aber doch eher unbedeutenden äußerlichen Manifestationen begleiten. Die Betroffenen geben sich oft unnatürlichen sinnlichen Begierden hin, sie hungern nach abscheulichem Futter oder entwickeln abstoßende Gewohnheiten. Zum Beispiel lecken oder stochern sie in ihren Wunden herum, grunzen, während sie sprechen oder kratzen sich ununterbrochen.

Um die Befleckung der Korruption loszuwerden, verlassen sich die Gläubigen auf das Gebet. Theurgen, die ihre Seele durch den Einsatz mystischer Kräfte der Korruption aussetzen, begleiten dies oft mit gemurmelten Litaneien und Fürbitten. Die Gläubigen sind überzeugt, dass diese Gebete das innere Licht stärken, das die Dunkelheit vertreibt. In extremen Fällen nutzen die Priester des Prios das heiße Licht der Flamme selbst, um sich von der Befleckung zu reinigen. Den Schmerz und das Opfer des Fleisches nehmen sie dabei gerne in Kauf, um ihre Seele zu reinigen.

Hexerei

Für diejenigen, die die alte Kunst der Hexerei praktizieren, ist Korruption nicht so sehr eine Art „schwarze Energie des Bösen“, als vielmehr eine Gegenreaktion der Natur. Wann immer eine Hexe die Geister der Magie beschwört, rebelliert der Stoff, aus dem die Realität gemacht ist, wehrt sich und schlägt zurück. Je größer die Kraft der Beschwörung, desto größer ist der Affront gegenüber der Natur und desto größer ist auch ihr Widerstand. Wie die Hexe diesen Widerstand wahrnimmt, hängt von dem Pfad der Magie ab, dem sie folgt.

Für Hexen, die dem grünen Pfad folgen, stellt sich die Korruption wie ein Gewirr tastender, umschlingender und Dornen besetzter Ranken dar, die sich um die Hexe winden, sie immer fester packen und sie zu umschlingen und erwürgen drohen.

Die Korruption auf dem weißen Pfad umgibt die Hexe mit einem wirbelnden Nebel, der zu einem heulenden weißen Sturm anwächst, der den Unachtsamen mitzureißen droht. Diejenigen, die auf dem roten Pfad wandeln, lockt die Korruption als ein Meer wirbelnden, siedenden, triefenden Blutes, das immer tiefer wird und droht, die Hexe mit warmen Klauen in seine purpurrote Umarmung hinabzuziehen.

Die Hexe stemmt sich diesen Formen des Widerstandes der Natur mit einer Mischung aus Willen und Selbstsicherheit entgegen. Für die Hexe geht es nicht darum, diesen Widerstand zu überwinden, sondern zu versuchen, die Natur zu umscheicheln, sodass sie die beabsichtigte Perversion geschehen lässt. Aber in dem Maße, wie die Hexe ihre Listigkeit, ihr Wissen, ihr Ansehen und ihre Kraft einsetzt, um die Geister in ihrem Sinne zu beeinflussen, wächst auch der Widerstand der Natur. Ihre Schuld gegenüber der Natur wächst und die Geduld und der Respekt, die diese der Hexe einst gegenüber aufbrachte, beginnen zu schwinden. Schließlich stechen die Dornenranken zu, der Sturm weht sie davon oder die Hexe versinkt im heißen, roten Blutsee. Stigmata, die die Hexe erleidet, passen zu dem Pfad, der sie letztlich überwältigt hat: Bei Angehörigen des grünen Pfades verwandelt sich die Haut oft in Rinde, blättrige Ranken oder schmerzhafte Sporen verbreiten widerwärtige Gerüche. Auch feuchte Pilze können aus ihren Körpern wachsen. Manchmal werden sie schwach, wenn sie kein Sonnenlicht bekommen, sind ständig durstig oder können nicht mehr schlafen, wenn sie sich nicht auf weicher, nährstoffreicher Erde betten. Ranken und Wurzeln wachsen ihnen anstelle von Haaren und holzartige Auswüchse wie Tumore bilden sich auf Haut oder Zunge. In seltenen Fällen wachsen Äste aus Knochen, durchbrechen die Haut und zwingen die Gelenke in gewundene, schmerzhafte Winkel.

Diejenigen, die dem weißen Pfad folgen, werden durch ihr Starren in den Sturm der Korruption so manches Mal fast in den Wahnsinn getrieben. Viele erleiden schreckliche Albträume, die ihnen den Schlaf rauben, während andere düstere Visionen ihrer eigenen Zukunft sehen. Manche sind geschlagen mit dem unkontrollierbaren Drang zu weinen oder wie wahnsinnig zu lachen, ihr Geist berstend unter dem Druck. Manchmal manifestieren sich die Auswirkungen durch schneeweißes Haar oder plötzliche Kahlheit, während bei anderen die die Pupillen verschwinden, sodass aus ihren Augen nur noch eine weiße Kugel starrt, ihre Sicht verschwommen und surreal.

Für diejenigen, die auf dem roten Pfad wandeln, sind die Auswirkungen der Korruption besonders grausig. Wenn Hexen der Sintflut aus Blut erliegen, dann werden sie typischerweise von einem Blutfluss ergriffen, das heißt, Blut tropft unkontrollierbar aus ihren Nasen, ihren Augen, Ohren oder anderen Körperöffnungen. Ihre Augen sind blutunterlaufen, die Pupillen verschwinden in einer blutroten Dunkelheit. Wenn sie sprechen, husten und spucken sie Blut, ihre Stimmen klingen entstellt und erstickt durch ein ständiges Gurgeln in ihren Kehlen. Man hat von korrumpierten Hexen gehört, deren Venen widerwärtig aus ihren verkommenen Körpern emporragen, als ob sich blutrote Würmer ihren Weg durch das Fleisch fressen. Blutdurst ist in unterschiedlichen Ausprägungen durchaus üblich – von einer leichten Sucht bis hin zu einem alles verschlingenden Durst, der befriedigt werden muss, bevor die Hexe sich zur Ruhe legen kann. In seltenen Fällen verlieren korrumpierte Hexen täglich soviel Blut, dass sie sich entweder jeden Tag vom Blut anderer Lebewesen nähren müssen oder sie verhungern.

Um sich von der Korruption zu befreien, müssen die Hexen versuchen, ihre Bindung an die Natur wiederherzustellen. Sie müssen die aufgebrachten Geister besänftigen und die Harmonie mit der Natur wiedergewinnen. Typischerweise versuchen sie dies während kurzer Phasen der Meditation, in denen sie seltene Kräuter einnehmen oder inhalieren, rituelle Gesänge anstimmen oder bestimmte Gesten einsetzen, um ihre Meditation zu vertiefen. Dadurch gewinnt die Hexe den Respekt und das Vertrauen der aufgewühlten Geister zurück.


Übersetzung: Christophe Kaleschke

Vielen Dank an Richard Grove für diesen ausführlichen Artikel über die Auswirkungen der Korruption in Symbaroum. Und danke auch an Vuogle für die freundliche Erlaubnis, die Illustration Golden Flower verwenden zu dürfen.

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